Willi-Bredel-Gesellschaft
Geschichtswerkstatt e.V.

Willi Bredel

International bekannt wurde der Hamburger Arbeiterschriftsteller Willi Bredel (1901-1964) durch seinen Roman „Die Prüfung", der erstmals 1935 im Exil erschien, in über 20 Sprachen übersetzt wurde und eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren erreichte. In diesem dokumentarischen Roman verarbeitete der ehemalige Metallarbeiter und Redakteur der „Hamburger Volkszeitung" die schrecklichen Erlebnisse seiner Haftzeit im KZ Fuhlsbüttel. Durch die detaillierten und authentischen Schilderungen in der „Prüfung" wurde die internationale Öffentlichkeit über Unterdrückung, Folter, Leiden und Widerstand in einem der vielen Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland informiert.

1934 gelang Willi Bredel die Flucht aus Deutschland. Er setzte seinen Kampf gegen den Faschismus nicht nur auf literarischem Gebiet fort: Im Spanischen Bürgerkrieg engagierte er sich für die Republik und kämpfte in den Internationalen Brigaden gegen die Franco-Truppen; in der Sowjetunion versuchte er als Frontpropagandist im Rahmen des „Nationalkomitees Freies Deutschland", die Soldaten der deutschen Wehrmacht zur Aufgabe ihres Kampfes zu bewegen.

Wenig bekannt - und noch weniger offiziell anerkannt - ist, daß Willi Bredel wie kein anderer Autor dieser Stadt die Geschichte der Hamburger ArbeiterInnen und ihrer Organisationen literarisch verarbeitet hat. Mit einer Vielzahl von Romanen und Erzählungen hat er nicht nur Literatur von internationalem Bekanntheitsgrad produziert, sondern auch „Geschichte von unten" geschrieben. Lebensgeschichte und Literatur des Zigarrendrehersohnes aus dem Karolinenviertel geben heute sehr anschaulich Einblick in die harten Arbeits- und Lebensbedingungen der Hamburger Arbeiterklasse im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts.

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Eine Chronologie von Leben und Werk


2. Mai 1901 Karl Friedrich Willi Bredel als Sohn des Zigarrenmachers Carl Bredel und seiner Frau Frieda geb. Harder in Hamburg geboren.
1916 Abschluss Volksschule; Beginn der Lehre als Eisen- und Metalldreher in Hamburg. Beitritt zur Gewerkschaft und zur sozialistischen Jugend. Frühe Liebe zur Musik, bis zum 16. Lebensjahr im Chor des Hamburger Stadttheaters. Drei Revolutionsdramen (nicht erhalten): „Septembersturm über Paris“, „Lazare Garnot“ und „Gracchus Babeuf“.
1917 Verbindung zur Spartakusgruppe. Lehrlingsobmann seines Betriebes.
1918 Bald nach ihrer Gründung Beitritt zur Kommunistischen Partei, Aktionen mit den Hamburger Arbeitern während der Novemberrevolution, Herausgabe der Zeitschrift „Freie proletarische Jugend“.
1920 Wanderschaft durch Deutschland, Österreich, Italien.
1922 Verhaftung in Venedig und Ausweisung. Rückkehr nach Hamburg.
1923 Wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand 2 Jahre Gefängnis. Beschäftigung mit dem Leben Jean Paul Marats.
1924 Veröffentlichung der Studie „Marat, der Volksfreund“ als erste schriftstellerische Arbeit Bredels im Neuen Verlag für revolutionäre Literatur in Harnburg. Satire auf den belgischen Rechtssozialisten Emile Vandervelde: „Der verkommene Sozialismus“
1924/25 Redaktionsvolontär und Redakteur bei Arbeiterzeitungen in Bremen, Magdeburg und Essen.
1926/27 Wanderungen und Seefahrten nach Spanien, Portugal, Italien und Nordafrika. Maschinisten-Assistent und Leiter der KPD-Zelle an Bord des Rotor-Motorschiffes „Barbara“.
1928 Nach Abmusterung Dreher in der Maschinenfabrik Nagel & Kaemp. Betriebsrat, anschließend Entlassung. Arbeiterkorrespondent, Theaterkritiken und Rezensionen für die „Hamburger Volkszeitung“ (HVZ), Redakteur der HVZ.
1929/30 Anklageerhebung gegen Bredel wegen Hoch- und Landesverrates nach Veröffentlichungen zum Blut-Mai des SPD-Polizeipräsidenten Zörgiebel in Berlin und über die geheime Kriegsproduktion im Draegerwerk Lübeck. Zwei Jahre Haft. Romane „Maschinenfabrik N. & K.“ (1930) und „Rosenhofstraße“ (1931).
1931 Herausgabe „Der Eigentumsparagraph“ (in Deutschland nicht veröffentlicht) in russischer und ukrainischer Sprache in der Sowjetunion.
1932 Auf Einladung des sowjetischen Schriftstellerverbandes Reise in die Sowjetunion.
1. März 1933 Erneute Verhaftung, 13 Monate im KZ Fuhlsbüttel in Hamburg.
1934 Nach Entlassung aus dem Konzentrationslager Flucht in die Tschechoslowakei. „Die Prüfung“ (erscheint 1935 im Malik-Exilverlag), Erzählung „Der Spitzel“. Emigration in die Sowjetunion und Teilnahme am 1. Unionskongress der Sowjetschriftsteller. Ausbürgerung aus Deutschland.
1936 Mit Bertold Brecht und Lion Feuchtwanger Herausgeber der literarischen Monatszeitschrift „Das Wort“ in Moskau.
1937 Roman „Dein unbekannter Bruder“. Teilnahme am II. Internationalen Kongress der Schriftsteller im spanischen Valencia und in Madrid. Danach Kommissar des Thälmann-Bataillons der Internationalen Brigaden im spanischen Freiheitskampf.
1939 „Begegnung am Ebro“, „Der Kommissar am Rhein“, „Marcel, der junge Sansculotte“, „Die Feinde des Berges“, „Scharnhorst, Gneisenau, Clausewitz und die bürgerliche Revolution in Frankreich“.
1941 1. Band der Roman-Trilogie „Verwandte und Bekannte“: „Die Väter“. Teilnahme am 2. Weltkrieg in den Reihen der Roten Armee, Frontagitation in Schützengräben, mittels Flugblättern sowie in Radio Moskau.
1943 „Vermächtnis des Frontsoldaten“, „Der Sonderführer“. Zeuge der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad. Mitbegründer des Nationalkomitees „Freies Deutschland“, Aufklärungsarbeit an der Front und unter den deutschen Kriegsgefangenen.
Mai 1945 Rückkehr nach Deutschland. Politische und kulturelle Aufbauarbeit in Mecklenburg. Verleihung des Doktor-Ehrentitels durch die Universität Rostock. Vorsitzender der Landesleitung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands.
1947 Chefredakteur der Zeitschrift „Heute und Morgen“.
1948 „Das schweigende Dorf“. Biographie über Ernst Thälmann. Gründung des Petermänken-Verlages in Schwerin.
1949 „Die Söhne“ (Trilogie „Verwandte und Bekannte“). Vizepräsident der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft. Übersiedlung nach Berlin.
1950 „Die Vitalienbrüder“, „Fünfzig Tage“, „Sieben Dichter“. Nationalpreis für Kunst und Literatur, Mitglied der Akademie der Künste, Herausgeber der „Bibliothek Fortschrittlicher Deutscher Schriftsteller“.
1952 Chefredakteur der „Neuen Deutschen Literatur“ (bis 1957).
1953 3. Band der Roman-Trilogie „Verwandte und Bekannte“: „Die Enkel“.
1954 „Vom Ebro zur Wolga“. Mitglied des Zentralkomitees der SED. Nationalpreis für das Szenarium zum Film „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ (Uraufführung 12. 3.).
1955 Reise nach China. Zweiter Teil des Thälmann-Films „Ernst Thälmann – Kämpfer seiner Klasse“ vollendet (Uraufführung 7.10.).
1956 „Das Gastmahl im Dattelgarten“.
1956 „Auf den Heerstraßen der Zeit“. Reise nach Ägypten.
1959 1. Band des Romans „Ein neues Kapitel“.
1960 „Unter Türmen und Masten“
1961 Herausgabe „Der Eigentumsparagraph“ erstmals in deutscher Sprache.
1962 Wahl zum Präsidenten der Akademie der Künste. Reisen nach Ägypten und Indonesien.
1964 Bände 2 und 3 von „Ein neues Kapitel“. Am 27. Oktober 1964 stirbt Willi Bredel in Berlin an einem Herzinfarkt.

Alle Angaben sind entnommen: Victor, Walter: Bredel – Ein Lesebuch für unsere Zeit; Berlin und Weimar 1966, S. XI ff

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